Ambulantisierung: Spitex rückt ins Zentrum der Versorgung

Ambulantisierung: Spitex rückt ins Zentrum der Versorgung

Die Ambulantisierung bringt tiefgreifende Veränderungen für die Spitex mit sich. Neue Aufgaben, eine höhere Komplexität und steigende Erwartungen treffen auf unklare Rahmenbedingungen und ungesicherte Ressourcen. Michael Ganz, Präsident der Sparte Spitex-Organisationen, zeigt auf, wo strukturelle Engpässe bestehen und weshalb rasches Handeln gefragt ist.

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Neue Verantwortung der Spitex in der Versorgungskette

Die fortschreitende Verlagerung von stationären zu ambulanten Spital­behandlungen verändert die Versorgungsketten grundlegend. Für die Spitex bedeutet das eine markante Ausweitung ihrer Rolle: Sie wird zur zentralen Partnerin, koordiniert komplexere Leistungen und übernimmt zunehmend Aufgaben, die früher im stationären Setting verankert waren.
Damit diese Entwicklung gelingt, sind klare Rollendefinitionen, abge­stimmte Prozesse und eine koordinierte Steuerung über alle Leistungs­erbringer hinweg erforderlich.

Übergangszeit birgt Risiken für die Versorgungssicherheit
Die vaka unterstützt sowohl die Gesundheitspolitische Gesamtplanung (GGpl) 2030 als auch die einheitliche Finanzierung (EFAS) auf Bundes­ebene. Herausfordernd ist jedoch die lange Übergangsphase, bis diese neuen Grundlagen wirksam werden. Die heutigen finanziellen Fehl­anreize führen zu einer deutlichen Mehrbelastung der Gemeinden, deren Handlungsmöglichkeiten aber limitiert sind. Die vaka fordert, dass die Finanzierung dort hinkommt, wo längst die Rahmenbedingungen und
die Leistungen definiert werden – zum Kanton. Ohne gezielte Steuerung aus einer Hand drohen ineffiziente Doppelstrukturen und Engpässe bei der weiteren Umsetzung der Ambulantisierung. Entscheidend ist eine frühzeitige Koordination, damit die Versorgung über die gesamte Behandlungskette hinweg stabil bleibt.

Finanzierung muss der steigenden Komplexität folgen
Die heutigen Tarif- und Finanzierungsstrukturen bilden die zunehmende Komplexität der ambulanten Pflege unzureichend ab. Investitionen in Digitalisierung, Telemedizin, moderne Organisationsformen sowie Kompetenzerweiterungen im Pflegebereich sind zwingend notwendig, jedoch im bestehenden System nur begrenzt finanzierbar. Gleichzeitig muss die Restkostenfinanzierung so weiterentwickelt werden, dass sie die Transformation trägt – auch über die geplante Übergangszeit bis zur Einführung von EFAS im Jahr 2032 hinweg.

Fachkräfte und Kompetenzen als Schlüsselfaktor
Damit die Ambulantisierung erfolgreich umgesetzt werden kann, benötigt es genügend qualifiziertes Personal und attraktive Rahmen­bedingungen. Gefragt sind flexible Arbeitsmodelle, moderne Strukturen
und eine gezielte Entlastung von administrativen Aufgaben. Gleichzeitig gewinnt die Entwicklung neuer Rollenprofile an Bedeutung – zum Beispiel Advanced Practice Nurses, die komplexe Pflegesituationen selbstständig beurteilen und koordinieren und mit spezialisiertem Fach­wissen die Pflegequalität stärken. Die vaka setzt sich dafür ein, dass Weiterbildungswege nachhaltig gefördert und Kompetenzen konsequent ausgebaut werden, damit die Leistungsfähigkeit im ambulanten Bereich langfristig gesichert ist.

Fazit
Die Ambulantisierung bietet bedeutende Chancen für ein zukunfts­fähiges Versorgungssystem – sie erfordert jedoch entschlossenes Handeln, klare Prioritäten und verlässliche Rahmenbedingungen. Die vaka engagiert sich dafür, dass die Spitex ihre wachsende Rolle über­nehmen kann und die Transformation im gesamten System abgestützt wird.

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