Es braucht mehr Vertrauen und weniger Bürokratie

Es braucht mehr Vertrauen und weniger Bürokratie

Ein gutes Gesundheitswesen ist zentral für unsere Gesellschaft. Es stellt sicher, dass die Bevölkerung die notwendige medizinische Versorgung erhält – um gesund zu bleiben oder um gesund zu werden. Doch unser System leidet unter einer überbordenden Bürokratie. Angesichts der steigenden Nachfrage und des Fachkräftemangels können wir uns diesen Aufwand nicht mehr leisten.

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Bürokratie als Belastung

68 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz empfinden den administrativen Aufwand im Zusammenhang mit Versicherungen und Abrechnung als grosses Problem. 45,4 Prozent sehen das Erstellen von Berichten für staatliche Stellen oder Krankenkassen als erhebliche Belastung. Dazu zählen interne Statistiken, Berichte für Finanzabtei­lungen, Rapporte an Krankenkassen und Zahlen für Bundesbehörden, Forschung oder Zertifizierungsstellen. Diese administrativen Pflichten kosten wertvolle Zeit – Zeit, die für die direkte Patientenversorgung fehlt.
Die Folge: Stress, Frust und eine zunehmende Zahl von Berufsaus­steigerinnen und -aussteigern. Damit verschärfen sich der Pflegenot­stand und der Mangel an Ärztinnen und Ärzten weiter. Was ist zu tun?

1. Mehr Vertrauen
Vertrauen ist die Grundlage für eine effiziente Versorgung. Misstrauen führt zu Kontrolle – und Kontrolle zu Mehraufwand. Ärztinnen, Ärzte und Pflegefachpersonen sollen sich wieder auf das Wesentliche konzen­trieren dürfen: die Behandlung der Patientinnen und Patienten.

2. Mehr Regeln erhöhen die Kosten
Komplexe Vorgaben senken nicht die Kosten. Im Gegenteil, sie erhöhen den administrativen Aufwand. Sie führen zu Fehlern, zum Beispiel bei Abrechnungsprüfungen, zudem fehlen den kontrollierenden Stellen
oft die nötigen Fachkenntnisse. Fehlentscheide kosten zusätzlich Zeit und Geld.

3. Folgekosten vor der Einführung analysieren
Neue Regelungen bringen häufig versteckte Zusatzkosten für Leistungs­erbringer und Versicherer. Würden diese Folgekosten systematisch geprüft, kämen viele Vorschriften gar nicht erst zur Anwendung. Gesetze
und Regulierungen müssen einen klaren Nutzen im Verhältnis zu den Kosten bringen.

4. Bessere Koordination der Vorschriften
Überlappende Regelungen – zum Beispiel zwischen Bund, Kantonen und Versicherern – blockieren Innovationen. Beispiele sind: die immer umfangreicheren digitalen Dokumentationspflichten oder die Auflagen
des Datenschutzes. Neue Regelungen sollten koordiniert, aufeinander abgestimmt und in der Zahl begrenzt sein.

Bürokratie abbauen – Ressourcen freisetzen
Weniger Bürokratie bedeutet:

  • mehr Zeit für die Versorgung
  • weniger Stress für das Personal
  • höhere Arbeitszufriedenheit
  • tiefere Kosten
  • und eine bessere Bindung der Fachkräfte an ihren Beruf

Schon heute könnten überflüssige Vorgaben gestrichen werden wie zum Beispiel: Kostengutsprachen für die Rehabilitation, die Pflicht zum Versand von Rechnungskopien, Mehrfacherfassungen in unkoordinierten
Registern und aufwendige Verfahren zur Berufsanerkennung oder Bewilligung.

Deregulierung ist notwendig
Vorschriften müssen regelmässig überprüft und angepasst werden. Veraltete oder überflüssige Bestimmungen sollten gestrichen werden. Neue Regelungen sollen auf ihren Aufwand hin bewertet und gege­benenfalls entschädigt werden. Nur so lässt sich die Versorgung auch künftig sicherstellen, und die Fachkräfte können im System gehalten werden.

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