Akutversorgung unter Druck

Akutversorgung unter Druck

Die Akutspitäler stehen unter massivem Druck: Fachkräftemangel, zu tiefe Tarife, wachsende Bürokratie und der Wandel von stationär zu ambulant hinterlassen deutliche Spuren. Ohne finanzielle Korrekturen drohen Versorgungslücken - besonders in ländlichen Regionen. Damit die wohnortsnahe Gesundheitsversorgung gesichert bleibt, braucht es jetzt gezielte Reformen.

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Regionalspitäler besonders betroffen

Adrian Schmitter am Gesundheitspolitischen Anlass
Adrian Schmitter am Gesundheitspolitischen Anlass

Unter dem Titel «Verlieren wir gerade unser sehr gutes Gesundheits­wesen?» sprach vaka-Vizepräsident Adrian Schmitter am Gesund­heitspolitischen Anlass über die aktuellen Herausforderungen in der Akutversorgung. Dabei zeigte er auf: Im internationalen Vergleich
geniessen das Schweizer Gesundheitssystem und seine Leistungen weiterhin grosses Vertrauen. Auch die Zufriedenheit der Bevölke­rung sowie das Preis-Leistungs-Verhältnis werden im OECD-Bericht «Health at a Glance» positiv bewertet. Trotzdem steht das System
zunehmend unter Druck. Gründe dafür sind unter anderem immer mehr gesetzliche Vorgaben von Bund, Kantonen und Behörden wie dem BAG oder Swissmedic. Hinzu kommen der Fachkräftemangel sowie Engpässe bei Arzneimitteln.

Fachkräftemangel: Der Aargau ist besonders betroffen
Der Mangel an Pflegefachpersonen sowie Ärztinnen und Ärzten zählt zu den grössten Risiken für die zukünftige Gesundheits­versorgung. Bis 2029 benötigt die Schweiz rund 16 000 zusätzliche Pflegefachpersonen. Gleichzeitig müssen etwa 28 000 Personen ersetzt werden, die pensioniert werden. Besonders betroffen ist der Kanton Aargau. Im interkantonalen Vergleich verfügt er über eine unterdurchschnittliche Hausarztdichte: Auf 1000 Einwohnerinnen und Einwohner kommen lediglich 0,57 Hausärzte. Um die Ver­sorgung sicherzustellen, übernehmen Spitäler deshalb zunehmend
hausärztliche Aufgaben.

Zu tiefe Tarife, knappe Ressourcen und hohe Bürokratie
Seit der Einführung der Fallpauschalen im Jahr 2012 kämpfen vor allem öffentliche Spitäler mit steigenden Schulden, veralteter Infra­struktur und nicht kostendeckenden Tarifen. Zwei Drittel der Schweizer Spitäler schrieben 2023 Defizite – ein deutliches Warn­signal für das Gesundheitssystem.
Zentrale Kostentreiber sind unzureichende IT-Systeme, die zu Ineffizienz und Mehraufwand führen. Zusätzlich belastet die zu­nehmende Bürokratie den Alltag in den Spitälern massiv. Rund 25 Prozent der Arbeitszeit von Ärztinnen und Ärzten fliessen heute in Dokumentationspflichten – wertvolle Ressourcen, die in der Be­handlung fehlen.

«Werden Regionalspitäler
geschlossen, gehen die Leute
einfach ins nächste Zentrums­spital. Dort kostet dieselbe Behandlung aber mehr.»

Die Bevölkerung wird älter – der Bedarf steigt
Bis 2050 wird sich die Zahl der über 80-Jährigen in der Schweiz verdoppeln. Damit steigt die Zahl chronisch kranker Menschen. Der Bedarf an Gesundheitsleistungen nimmt zu, und gleichzeitig werden Behandlungen komplexer.
Gerade Regionalspitäler, die für die medizinische Grundversorgung ausserhalb der Zentren entscheidend sind, stehen jedoch finanziell besonders unter Druck. Werden dort Leistungen abgebaut oder Standorte geschlossen, verlagert sich die Versorgung in die Zentren – mit negativen Folgen für Erreichbarkeit, Qualität und Kosten.

Das muss jetzt getan werden:

Mit der steigenden Zahl hochaltriger Menschen gewinnt die wohn­ortsnahe Versorgung weiter an Bedeutung. Dafür benötigt es neue Versorgungsmodelle und die richtigen politischen Rahmen­bedingungen. 

Es braucht neue Versorgungsmodelle
für die lokale Grundversorgung:

  • Gesundheitszentren mit und ohne OP-Angebot
  • Ausbau der ambulanten Versorgung
  • Walk-in-Notfall kombiniert mit Hausärztenotfall

Der Kanton muss die richtigen Anreize
für den Strukturwandel setzen:

  • einfachere gesetzliche Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie
  • gezielte Unterstützung des Wandels
  • Anpassung der Spitalliste an neue Versorgungsformen
  • kostendeckende Finanzierung gemeinwirtschaftlicher Leistungen

Weitere Publikationen

  • vaka aktuell
    29. Juni 2026
    Ohne Reformen drohen Versorgungslücken - das braucht es jetzt
    Die Gesundheitsversorgung im Aargau steht an einem Wendepunkt. Leistungserbringer warnen vor Engpässen in Akutversorgung, Psychiatrie und Pflege – und zeigen auf, welche strukturellen Veränderungen jetzt nötig sind.
  • Jahresbericht
    vaka Jahresbericht 2025
    2025 war für die Aargauer Spitäler, Kliniken, Pflegeinstitutionen und Spitex-Organisationen ein herausforderndes Jahr. Die vaka setzte sich aktiv mit den Anliegen der medizinischen Grundversorgung und Spezialisierungen auseinander und positionierte sich zu zentralen Themen wie den pflegenden Angehörigen, der Pflegefinanzierung und den geplanten Versorgungsregionen.
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