Akutspitäler handeln heute für die Versorgung von morgen
Auch 2025 litten die Aargauer Akutspitäler unter den tiefen Tarifen bei steigenden Kosten. Hoffnung bringen die erfolgreichen Tarifverhandlungen sowie das neue ambulante Tarifsystem, das seit Januar 2026 gilt. Ein neu entwickeltes innovatives Notfallmodell soll dem Hausärztemangel und der Überlastung der Notfallstationen entgegenwirken.
Im Juni 2023 kündigten die Spitäler und Kliniken der vaka die bestehenden Tarifverträge für ambulante ärztliche Leistungen sowie für nicht ärztliche Angebote wie Physio- und Ergotherapie. Seitdem führt die vaka intensive Verhandlungen mit den Einkaufsgemeinschaften der Krankenkassen – mit einem klaren Ziel: kostendeckende Tarife, die eine nachhaltige Verlagerung vom stationären in den ambulanten Bereich ermöglichen. Denn nur mit wirtschaftlich tragfähigen Lösungen lässt sich die ambulante Versorgung zukunftssicher gestalten.
Tarifverhandlungen: Erster Fortschritt erzielt
Im vergangenen Jahr gelang ein wichtiger Durchbruch: Zwei der drei Einkaufsgemeinschaften waren bereit, Verträge auf einem höheren Niveau abzuschliessen. Zwar ist der neue Tarif noch nicht kostendeckend, doch immerhin 3,5 Prozent höher als bisher. Ein bedeutender Schritt, der die finanzielle Stabilität der ambulanten Versorgung stärkt – und die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens unterstützt.
Hoffnungsschimmer neues ambulantes Tarifsystem
Seit Januar 2026 ist das neue Tarifsystem in Kraft: Es besteht aus dem Einzelleistungskatalog Tardoc und den ambulanten Pauschalen. Ziel ist eine faire, kostendeckende und schweizweit einheitliche Vergütung – und damit eine spürbare Stärkung der ambulanten Versorgung. Für die Spitäler und Kliniken der vaka bedeutet die Systemumstellung jedoch einen grossen Aufwand. Leider zeigt sich auch, dass die ambulanten Pauschalen bei weitem nicht kostendeckend und teilweise komplett falsch aufgebaut sind. Hier gibt es noch viel Nachbesserungsarbeit
zu leisten – immerhin ist der neue Tardoc mit den Pauschalen
aber ein lernendes System.
Neues Modell für die ärztliche Notfallversorgung
Die Herausforderungen in der Notfallversorgung nehmen zu: Es gibt immer weniger Hausärztinnen und Hausärzte – und noch weniger übernehmen die Abend- oder Wochenenddienste. Gleichzeitig sind die Spitalnotfallstationen zunehmend überlastet, da sie auch Bagatellfälle behandeln müssen. Leidtragende sind Patientinnen und Patienten mit mittelschweren bis schweren Erkrankungen. Verstärkt wird die Situation durch den demografisch bedingten Anstieg der Notfälle. Als Reaktion darauf hat die Sparte Akutsomatik eine Arbeitsgruppe mit allen Leiterinnen und Leitern der Aargauer Notfallstationen eingesetzt.

In enger Zusammenarbeit mit dem Kanton und dem Ärzteverband wurde ein neues Modell für die künftige ärztliche Notfallversorgung im Kanton Aargau entwickelt. Die Spitäler sind bereit, mit vorgelagerten ärztlichen Notfallpraxen zusätzliche Aufgaben zu übernehmen. Zudem soll ein elektronisches Ticketingsystem helfen, Wartezeiten zu reduzieren und die Abläufe effizienter zu gestalten. Allerdings ist die Finanzierung eine
offene Baustelle: Mit den aktuellen ambulanten Tarifen sind die Kosten nicht gedeckt. In der Gesundheitspolitischen Gesamtplanung (GGpl) 2030 hat sich der Kanton deshalb verpflichtet, die ambulante Notfallversorgung sicherzustellen und den ungedeckten Betriebsaufwand zu
übernehmen. Im nächsten Schritt soll das neue Modell gemeinsam mit den beteiligten Partnern konkretisiert und umgesetzt werden.