Ambulantisierung verlangt starke Partnerschaften

Ambulantisierung verlangt starke Partnerschaften

Eine erfolgreiche Ambulantisierung gelingt nur zusammen mit kompetenten und verlässlichen Partnern, welche die Klinikambulatorien in den Bereichen Prävention, Beratung und Betreuung sowie in der Nachsorge entlasten. Hierzu benötigt es klar geregelte Kooperationen und eine finanzielle Abgeltung der für die Koordination eingesetzten Ressourcen.

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Klinikambulatorien brauchen eine wirksame Triage

Der ambulanten Erwachsenenpsychiatrie der PDAG werden monatlich rund 600 neue Patientinnen und Patienten zugewiesen. Ein einzelner Therapeut, der Vollzeit arbeitet, betreut bis zu 100 Patienten. Jeden Monat kommen 16 neue Patienten hinzu. Das System funktioniert selbst­redend nur dann, wenn einerseits eine wirksame Triage vorgeschaltet wird und andererseits laufend Patienten aus der Therapie entlassen oder an nachsorgende Organisationen weitergegeben werden können. Übergeordnete Zielsetzungen sind, sicherzustellen, dass jeder Patient am richtigen Ort abgeklärt, behandelt oder betreut wird und dass jeder­zeit das Erlangen von Selbstständigkeit und die Vermeidung von thera­peutischer Abhängigkeit im Fokus stehen.

Gute Triage als zentrales Element
Damit Ambulatorien ihre Ressourcen gezielt einsetzen können, braucht es eine wirksame und patientenorientierte Triage. Nicht jedes Symptom und jede Belastung hat Krankheitswert, nicht jeder Fall benötigt eine hoch spezialisierte Fachkompetenz oder eine medizintechnische Infra­struktur. Die Kliniken sollen sich auf die komplexen Fälle konzentrieren können. Damit die Triage funktioniert, sollten erste Patientenkontakte zeitnah erfolgen, um eine erste Einschätzung zur Fallschwere und zur Dringlichkeit vorzunehmen. Hierzu sind zum Beispiel detailliertere Zu­weisungsformulare, telefonische Vorabklärungen oder Fragebögen gute Instrumente. Eine dynamische Warteliste mit der Möglichkeit zur kurz­fristigen bedarfsorientierten Krisenintervention erhöht ausserdem die Flexibilität.

Der Stepped-Care-Ansatz (gestufte Versorgung) ist ein Modell zur Behandlung von Patientinnen und Patienten. Die Grundidee ist, mit der niedrigsten wirksamen Intervention zu beginnen, das heisst mit einer möglichst einfachen, kostengünstigen und wenig belastenden Massnahme, wie zum Beispiel der Beratung oder der Selbsthilfe.
Der Stepped-Care-Ansatz (gestufte Versorgung) ist ein Modell zur Behandlung von Patientinnen und Patienten. Die Grundidee ist, mit der niedrigsten wirksamen Intervention zu beginnen, das heisst mit einer möglichst einfachen, kostengünstigen und wenig belastenden Massnahme, wie zum Beispiel der Beratung oder der Selbsthilfe.

Behandlung nach dem Stepped-Care-Ansatz
Das Stepped-Care-Modell ist ein evidenzbasiertes, gestuftes Behand­lungssystem, das die Intensität der Versorgung am individuellen Bedarf ausrichtet, von den am wenigsten zu den am stärksten eingreifenden Interventionen (z. B. von der Selbsthilfe über Beratung, Gruppen- und Einzeltherapien bis zur akuten Krisenintervention). Ziel ist es, dass Patienten jederzeit das passende Setting und die passende Behandlung erhalten und bei Bedarf flexibel zwischen verschiedenen Versorgungs­stufen wechseln können, was Unterversorgung, aber ebenso Über­versorgung verhindert.

Die Versorgung muss konsequent geplant und gesteuert werden. Dazu gehören nebst der richtigen Stufe die Reduktion der Behandlungs­frequenz (z. B. durch Blended Therapy) und die Limitierung der Behand­lungsdauer (Vermeidung von therapeutischer Abhängigkeit). Basis bilden eine regelmässige Evaluation der Behandlung, die aktive Steuerung durch Case-Management und die Koordination zwischen den beteiligten Organisationen.

Unterstützende Partnerschaften
Es braucht externe Partner, um die Klinikambulatorien in den Bereichen Prävention, Beratung und Betreuung sowie bei Anschlusslösungen zu entlasten. Diese integrierte Versorgung funktioniert aber nur mit klaren
Strukturen, Aufgaben und Verantwortlichkeiten und einem regel­mässigen Austausch von Informationen, Wissen und Daten. Zentral ist die Option, im Bedarfsfall (z. B. für Krisenintervention) auf die Unter­stützung der Kliniken zurückgreifen zu können. Die Modalitäten der
Zusammenarbeit sind in Vereinbarungen klar zu regeln. Zudem ist die angemessene Finanzierung der ressourcenintensiven Koordination sowie von Vorhalteleistungen – beides nicht über die Krankenver­sicherung abgedeckt – sicherzustellen.

Zwei Beispiele von erfolgreichen Kooperationsmodellen:

Hometreatment
Die PDAG engagieren sich zusammen mit der Stiftung HotA (Home­treatment Aargau) im Bereich der aufsuchenden Familienarbeit, das heisst bei der Betreuung von Familien mit psychisch erkrankten Kindern /
Jugendlichen oder Elternteilen in ihrer gewohnten Umgebung. Die PDAG übernehmen die Triage, und je nach Indikationsstellung erfolgt die Betreuung der betroffenen Patientinnen und Patienten durch das Home­treatment-Team der PDAG oder durch die HotA. Für die Finanzierung besteht im Bereich Kinder /Jugendliche eine Leistungsvereinbarung zwischen dem DGS und den PDAG, im Bereich der Erwachsenen
läuft ein kantonales Pilotprojekt.

Konsilien für Schulen
Im Auftrag des Schulpsychologischen Dienstes (SPD) erbringen die PDAG kinder- und jugendpsychiatrische Dienstleistungen (fachliche Beurteilung und Vorgehensberatungen in Form von Konsilien) für öffentliche und private Schulen bis und mit Sekundarstufe I. Sie unter­stützen die Schulen und Lehrkräfte, wenn kinder- und jugendpsycho­logische beziehungsweise schulpsychologische Methoden und Theorien nicht mehr ausreichen. Für die Finanzierung besteht eine Leistungs­vereinbarung zwischen dem BKS und den PDAG.

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    22. Dezember 2025
    Ambulant vor stationär – ein Wechsel mit Folgen
    Die Regelung «ambulant vor stationär» wird seit 2019 umgesetzt. Sie soll Effizienz im Gesundheitswesen versprechen. Der Wandel betrifft aber weit mehr als nur das Umsetzen von ambulanten Eingriffen im Akutspital. Er fordert eine strategische Neuausrichtung der kompletten Versorgung und vor allem gezielte Investitionen.
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    Seit 2019 setzen die Aargauer Leistungserbringer das Prinzip «ambulant vor stationär» um. Ein tiefgreifender Strukturwandel ist im Gange. Wie sich nun aber zeigt, ist die Ambulantisierung kein Selbstläufer. Sie bedingt eine vorausschauende Planung, finanzielle Unterstützung und eine klare Rollenverteilung im Aargauer Gesundheitswesen.
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