Pflegeheime: Die Unterversorgung steht vor der Tür
Die Auslastung der Aargauer Pflegeheime hat ein kritisches Niveau erreicht. Es braucht dringend mehr Pflegeplätze und zusätzliche Angebote. Es gilt, die Chancen der GGpl (Gesundheitspolitische Gesamtplanung) und der Vorlage EFAS (einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Behandlungen) zu nutzen, um den Herausforderungen des Gesundheitswesens erfolgreich zu begegnen.
Die Umfrage der vaka bei den Pflegeinstitutionen vom letzten Herbst zeigt alarmierende Zahlen: Die Auslastung der Pflegeheime liegt bei 98 Prozent. Das ist so hoch wie noch nie seit Beginn der Erhebung im
Jahr 2016. Spitäler und Kliniken haben zunehmend Schwierigkeiten, geeignete Anschlusslösungen für ihre Patientinnen und Patienten zu finden. Und auch von zu Hause aus ist es schwierig, einen Platz im Pflegeheim zu erhalten. Die Folge sind unnötige Spitaleintritte sowie zu lange Spitalaufenthalte, was vermeidbare Gesundheitskosten generiert.
Es braucht schnell viele zusätzliche Pflegeplätze
Nur schon bis ins Jahr 2035 erwartet der Regierungsrat einen zusätzlichen Bedarf von rund 1500 Pflegeplätzen für den Kanton Aargau. Geplant sind aktuell aber nur 150 neue Pflegeplätze. Warum ist das so? Die Leistungserbringer haben kaum Reserven, um neue Angebote
zu schaffen, und keine Anreize, wenn die Finanzierung nicht mindestens kostendeckend ist. Die Zahlen des Bundesamts für Statistik belegen, dass die Finanzierungslücke im Pflegebereich bei den aargauischen Pflegeinstitutionen immer grösser wird und sich auf rund 300 Millionen Franken kumuliert hat. Die vaka wird sich weiterhin für eine kostendeckende Finanzierung und zusätzliche Pflegeplätze stark machen.

Spezialisierte Angebote und Spiritual Care im Pflegeheim
Die spezialisierten Angebote der Pflegeinstitutionen wie Gerontopsychiatrie, spezialisierte Palliative Care und Pflege von (jüngeren) Menschen mit besonderen Betreuungsbedürfnissen wachsen weiter. Diese Entwicklung zeigt auf, dass die stationäre Kurz- und Langzeitpflege einen immer wichtigeren Teil einer integrierten Gesundheitsversorgung einnimmt. Zu einer umfassenden Pflege und Betreuung gehört ausserdem die Berücksichtigung der spirituellen Anliegen der Bewohnerinnen und Bewohner. Die vaka hat zusammen mit den Aargauer Landeskirchen ein Projekt zur interprofessionellen Zusammenarbeit im Bereich der Spiritual Care in den Pflegeinstitutionen lanciert.
Thema 2026: Integrierte Gesundheitsversorgung – aber richtig!
Die Gesundheitspolitische Gesamtplanung (GGpl) 2030 des Kantons und die Vorlage EFAS (einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Behandlungen), der das Schweizer Stimmvolk zugestimmt hat, bilden die Basis für die zukünftige Pflegeversorgung. Die vaka setzt
sich dafür ein, dass beide Grundlagen gut koordiniert werden. Die Umsetzung muss dazu dienen, den grossen Herausforderungen, vor denen das gesamte Gesundheitswesen steht, erfolgreich zu begegnen. Das gelingt nur, wenn finanzielle Fehlanreize eliminiert und die Verantwortung für eine integrierte Gesundheitsversorgung aus einer Hand kommt - dem Kanton.