Vier Spitex-Organisationen berichten von der Zusammenarbeit mit pflegenden Angehörigen

Vier Spitex-Organisationen berichten von der Zusammenarbeit mit pflegenden Angehörigen

Die Spitex LAR AG, die Spitex Heitersberg, die Spitex Freiamt und die Spitex Kaiseraugst arbeiten mit pflegenden Angehörigen zusammen. Wie sie diese Zusammenarbeit erleben, berichten sie hier.

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Spitex LAR AG:
Gemeinsam für mehr Mensch­lich­keit und Qualität

Die Pflege eines nahestehenden Menschen erfordert Zeit, Kraft und Herz. Pflegende Angehörige leisten Tag für Tag Grossartiges. Ihre Fürsorge und Nähe sind für die zu pflegenden Personen unersetzlich – ein Einsatz, der Respekt und Unterstützung verdient.

Hohe Pflegequalität durch Schulung sicherstellen
Seit 2023 bindet die Spitex LAR AG pflegende Angehörige gezielt in die Pflege zu Hause ein. Werden Angehörige gut vorbereitet und begleitet, profitieren alle – die gepflegten Personen, die Angehörigen und das gesamte Umfeld. Durch Schulung und Unterstützung sichert die Spitex LAR eine hohe Pflegequalität und bietet Entlastung.

Gewisse Voraussetzungen sind ein Muss
Eine Anstellung ermöglicht Angehörigen eine angemessene Entlohnung. Voraussetzungen sind ein Pflegehelferkurs (zum Beispiel beim Schweizerischen Roten Kreuz), Deutschkenntnisse auf B2-Niveau und
die Fähigkeit zur Pflegedokumentation. Gleichzeitig bleiben die pflegenden Angehörigen nicht allein: Bei Krankheit oder Urlaub vertritt sie das Spitex-Team und sorgt für Kontinuität.

Wichtig für unser Gesundheitswesen
Die bisherigen Rückmeldungen sind positiv. Angehörige schätzen die Unterstützung und die Sicherheit, die sie durch das Team der Spitex LAR AG erfahren. Herausforderungen wie die klare Abgrenzung von Pflege und Hauswirtschaft werden transparent besprochen und fair gelöst.
Pflegende Angehörige sind ein wichtiger Bestandteil unseres Gesundheitswesens, können jedoch die professionellen Strukturen nicht ersetzen. Ihre Begleitung und Integration in bestehende Systeme sind
von grosser Bedeutung. Die Spitex LAR AG unterstützt sie mit Herz, Erfahrung und Engagement, damit sie ihre verantwortungsvolle Rolle erfolgreich ausführen können. Sie ergänzen die professionellen Dienste und tragen dazu bei, eine optimale Versorgung zu gewährleisten.

Spitex Heitersberg:
Pflegende Angehörige – ein Pilotprojekt

Anfang 2024 hat die Spitex Heitersberg ein Pilotprojekt gestartet und pflegende Angehörige angestellt. Das Ziel: die Pflegearbeit der Angehörigen finanziell wertzuschätzen und ihre Sozialleistungen zu sichern. Im Fokus standen vor allem berufstätige Menschen, die ihre Arbeitszeit reduzieren, um Angehörige zu pflegen. Nach einer persönlichen Abklärung durch die Spitex Heitersberg folgen Kennen­lerngespräch, Bedarfsanalyse beim Spitex-Kunden zu Hause und ein Anstellungsgespräch.

Erste Erfahrungen
Seit Projektbeginn hat die Spitex Heitersberg rund 15 Anfragen geprüft. Nicht jede Situation führt zu einer Anstellung. Oft reicht bereits ein offenes Gespräch, um die Gesamtsituation zu klären und Entlastung zu
schaffen. Manchmal helfen andere Betreuungsangebote, die häufig selbst finanziert werden. Die Bedürfnisse sind individuell und vielfältig.
Bei einer Anstellung begleitet die Spitex Heitersberg die Angehörigen professionell – sowohl psychisch als auch fachlich. Regelmässige Beratungsgespräche sichern die Pflegequalität. Doch nicht alle schaffen es, neben Beruf und Pflege einen Pflegehelferkurs mit Praktikum
zu absolvieren. In diesen Fällen endet die Anstellung nach einem Jahr. Bisher wurden sechs Personen angestellt, zwei Anstellungen sind bereits abgeschlossen. Für pflegende Angehörige gelten vergleichbare Bedingungen wie für reguläre Mitarbeitende.

Fazit
Die Anstellung von pflegenden Angehörigen ist ein sinnvoller Schritt, um Fachkräfte zu entlasten und Betroffenen zu helfen, gesund zu bleiben. Die Spitex Heitersberg legt Wert auf die professionelle Entlastung und Begleitung der pflegenden Angehörigen, damit Pflegebedürftige länger zu Hause bleiben können. Das Projekt zeigt: Pflegende Angehörige sind eine unverzichtbare Stütze unserer Gesellschaft.

Spitex Freiamt:
Positive Erfahrungen mit der Anstellung von Angehörigen

Die Anstellung pflegender Angehöriger wurde in die Spitex Freiamt implementiert, um die Unterstützung für Menschen mit Pflegebedarf zu optimieren und die Rolle der Angehörigen zu professionalisieren. Ziel ist,
eine qualitativ hochwertige Pflege sicherzustellen und gleichzeitig die Belastungen, die mit der Pflege einhergehen, zu minimieren. 

Mit dem Spitex-Team zusammenarbeiten
Die Integration der Angehörigen in das Spitex-Team ist ein wichtiger Aspekt, der fachlichen Austausch, Unterstützung und Weiterbildung umfasst. Während einige Angehörige diese Integration als Chance wahrnehmen, benötigen andere Unterstützung, um aktiv am Team­prozess teilzunehmen. Für die Qualitätssicherung sind regelmässige Reassessments sowie das Monitoring der Angehörigensituation von zentraler Bedeutung, um Rollenkonflikte frühzeitig zu identifizieren. Die Dynamik innerhalb der Familie erfordert eine kontinuierliche Beobach­tung durch das Fachpersonal der Spitex. Personelle Kontinuität und emotionale Bindung sind wesentliche Faktoren, die zur Zufriedenheit mit dem Erwerbsmodell beitragen.

Für beide Seiten eine Bereicherung
Die Erfahrungen sind durchweg positiv, und die Spitex Freiamt ist überzeugt, dass die Anstellung ein entscheidender Schritt zur Bewältigung der Herausforderungen in der modernen Pflege darstellt. Das Projekt belegt, dass die Anstellung pflegender Angehöriger sowohl
fachliche Sicherheit als auch Wertschätzung fördert. Die flexible Gestal­tung der Arbeitszeiten ermöglicht es den Angehörigen zudem, ihre Pflegeverantwortung besser mit anderen Lebensbereichen in Einklang zu bringen. Umgekehrt fliessen die Kenntnisse und Kompetenzen der Angehörigen direkt ins Spitex-Team ein und bereichern die Dienst­leistungen der Spitex Freiamt erheblich.
Eine verstärkte politische Unterstützung für die Spitex und die Anstellung pflegender Angehöriger werden zu einem umfassenderen Betreuungs­angebot führen.

Spitex Kaiseraugst:
Pflegende Angehörige als Teil der Spitex

Seit 2023 sind pflegende Angehörige gleichwertige Teammitglieder des Spitex-Vereins Kaiseraugst. Die Erfahrung zeigt, dass die Anstellung pflegender Angehöriger, die ins Spitex-Team integriert werden, eine
wertvolle Bereicherung für alle Beteiligten ist. Sie fördert nicht nur die Anerkennung der täglichen Arbeit der pflegenden Angehörigen, sondern entlastet diese auch bei Abwesenheit oder Krankheit. Der Austausch mit den professionellen Pflegekräften fördert zudem die
Pflegequalität und bietet Zugang zu Fachwissen.

Individuelle und professionelle Pflege
Durch die Anstellung von pflegenden Angehörigen wird sichergestellt, dass die zu betreuenden Personen weiterhin von vertrauten Menschen, aber mit höherer Professionalität versorgt werden. Das fördert die
Zufriedenheit maximal.

Win-win-Situation für alle
Die Spitex gewinnt durch die zusätzlichen motivierten Mitarbeitenden an Effizienz, was zur Beseitigung des Fachkräftemangels in der Branche beiträgt. Die Förderung dieser Anstellung durch die Gemeinde stärkt
die Pflegequalität und gewährleistet eine transparente Kostenkontrolle im Vergleich zu privaten Anbietern. Insgesamt betrachtet der Spitex-Verein Kaiseraugst die Anstellung pflegender Angehöriger als Win-win-Situation für die Klienten, die Mitarbeitenden, die Spitex und die Gemeinde.

Weitere Publikationen

  • Stellungnahme
    25. Februar 2026
    Stellungnahme der vaka zur Teilrevision des Spitalgesetzes, 1. Etappe
    Die vaka begrüsst grundsätzlich das Vorhaben des Regierungsrats, eine gesetzliche Grundlage für einen Rettungsschirm zur finanziellen Unterstützung systemrelevanter Spitäler zu schaffen. Aus Sicht der vaka ist jedoch eine klare und verbindliche Strategie zur künftigen Ausgestaltung der Spitalversorgung im Kanton Aargau noch wichtiger als ein Rettungsschirm.
  • Information
    22. Dezember 2025
    Ambulant vor stationär – ein Wechsel mit Folgen
    Die Regelung «ambulant vor stationär» wird seit 2019 umgesetzt. Sie soll Effizienz im Gesundheitswesen versprechen. Der Wandel betrifft aber weit mehr als nur das Umsetzen von ambulanten Eingriffen im Akutspital. Er fordert eine strategische Neuausrichtung der kompletten Versorgung und vor allem gezielte Investitionen.
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